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Bubi, sechs Jahre alt, Experte für alles, sitzt beim Frühstück und schaut mich an. „Mama. Was machst du eigentlich den ganzen Tag?" „Ich schreibe Geschichten." „Wie beim Buch?" „Ja, aber für... Firmen." Er kaut. Denkt nach. „Aber Firmen können doch nicht lesen." Ich hab kurz überlegt, ob ich widerspreche. Hab's gelassen. Der Bub hat einen Punkt. Firmen lesen keine Mails. Menschen lesen Mails. Und die meisten Newsletter klingen, als wäre das noch niemandem aufgefallen. „Liebe Community, heute möchten wir euch über unser aktuelles Angebot informieren." Pfui Teufel. Oder der andere Klassiker: ChatGPT gefragt, wie ein Mensch klingt. Rausgekommen ist etwas, das nach niemand klingt. Glatt, brav, beliebig. Du weißt, was ich mein. Die Mail wandert ins Postfach. Dann in den Papierkorb. Grüß Gott dort drin. Warum passiert das, Reader? Weil die meisten beim Schreiben sofort beim Thema sind. Beim Tipp. Beim Inhalt. Und die Person da drüben vergessen, die gerade beim Frühstück sitzt, drei Mails auf einmal aufmacht und entscheidet, welche sie wegklickt. Geschichten halten auf. Informationen scrollen vorbei. Jetzt kommt, was ich nach tausend geschriebenen Newslettern weiß. Du brauchst kein Drama für eine gute Geschichte. Der schiefe Kommentar einer Kundin reicht. Das WLAN, das genau dann ausgefallen ist, als du auf Absenden gedrückt hast. Der Parkschein, der dich zehn Minuten hat nachdenken lassen. Das Gespräch im Supermarkt. Die Geschichten liegen rum. Du sammelst sie einfach noch nicht. Und dann kommt die Stelle, wo die meisten nervös werden: der Übergang. Von der Geschichte zur Botschaft. Kein Hochseilakt. Du kannst es einfach sagen. „Warum erzähl ich dir das?" Fertig. Wenn die Geschichte sitzt, zieht sie die Kurve selbst. Bubi fragt mich manchmal, wenn wir spazieren gehen: „Mama, schreibst du das auch?" Und zeigt auf irgendetwas. Den krummen Baum. Den Hund, der in eine Pfütze springt. Den alten Mann mit dem roten Schal. „Vielleicht", sag ich. Meistens schon. Denn genau das ist es. Du schaust, was passiert. Was auffällt. Und dann fragst du dich: Was hat das mit der Person zu tun, die mich gerade liest? Die Geschichte liegt fast immer schon da. Du musst sie nur sehen wollen. Wenn dein Newsletter sich gerade mehr nach Firmenmitteilung anfühlt als nach dir: Schick mir eine Antwort mit „zeig her" im Betreff. Ich schau ehrlich drauf. Birgit P.S. Bubi hat mich heute gefragt, ob Bäume auch Geschichten haben. Ich hab ja gesagt. Er hat genickt, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. Manchmal ist er klüger als ich. |
Ich schreibe Newsletter für Coaches, Berater und Dienstleister. Damit aus stillen Kontakten Kunden werden. Ohne Dauerposten auf Social Media und ohne Verkaufsgebrüll.
Bubi steht heut Früh am Klo, Tür sperrangelweit offen (Privatsphäre ist bei uns eher ein theoretisches Konzept), und ruft quer durchs Haus: „Mama! Ich hab mein Lied fertig gesungen, bevor ich fertig war!" Ich weiß bis heute nicht, was das heißen soll. Aber irgendwas an dem Satz lässt mich nicht los. Weil genau so fühlt sich für die meisten Selbstständigen ihr Newsletter an. Das Lied ist längst geschrieben, im Kopf, in Bruchstücken, zwischen zwei Kundenterminen. Nur singt's nie wer fertig. In...
Letzten Dienstag, kurz vor neun. Bubi steht plötzlich im Türrahmen, Schlafanzug mit den Traktoren drauf, die kurzen Haare vom Kopfkissen ganz platt auf der einen Seite, und schaut mich an, wie ich wie wild am Laptop tippe, als würd ich grad ein Attentat planen. „Mama. Was machst du da die ganze Zeit." „Ein Geheimnis", sag ich. Er überlegt kurz, ganz ernst. „Ein gutes oder ein schlechtes." „Ein gutes." „Für mich?" „Nein, für andere Selbstständige, die einen Newsletter haben." Stille. Dann,...
Freitagnachmittag, ein winziges Kaffeehaus in Innsbruck, vier Frauen und ich quetschen uns um einen viel zu kleinen Tisch. Meine alte Klasse aus der Höheren Schule. Dreißig Jahre her, gefühlt eine halbe Ewigkeit. Fünf Minuten Small Talk, dann ist die Höflichkeit erledigt. Veronika macht unseren alten Mathe-Professor nach, Toupet und alles, ich lach so fest, dass mir fast der Kaffee aus der Nase kommt. Babsi erinnert sich an meine Dauerwelle mit siebzehn (bitte, wir reden hier von einer...