|
Vor eineinhalb Jahren, Reader. Flohmarkt in der Früh, kalt, Kaffee aus dem Pappbecher. Ich seh sie und weiß sofort: die muss mit. Eine alte Kommode, wunderschönes Holz, Griffe aus Messing. Kein Problem, dachte ich mir. Bin ja die Erfinderin schlechthin. Bürosessel ganz nach oben gedreht. Immer noch zu hoch. So sah mein Büro aus. Eineinhalb Jahre lang. Sessel, Wickelunterlage, Hocker. Gestern ist alles zusammengekommen. Erst die Technik. Chat GPT hat mitten im Satz gesponnen und ich hab ihn angeschrien. Dann bin ich zu meinem Turm-Schreibtisch gestapft. Rotes Gesicht, Geduldsfaden dünn wie Spinnenseide. Sessel hoch, Wickelunterlage drunter, Füße auf den Hocker. Genau wie immer, seit eineinhalb Jahren. Diesmal reichts, dachte ich mir. Säge geholt. Zack, zack. Tischbeine gekürzt. Ein bisschen zu großzügig gesägt, im Nachhinein betrachtet. Jetzt steht da ein Schreibtisch, so winzig, meine Knie stoßen von unten gegen die Platte. Der Laptop schaut aus wie ein Riesending auf einem Puppenmöbel. Bubi hat mich beobachtet, Kopf schief gelegt. "Mama, jetzt sitzt du an meinem Tisch." Manchmal löst man ein Problem und baut sich gleich das nächste. Birgit P.S. Der Holzhocker steht noch unter dem Tisch. Als Denkmal für meine Nerven von gestern. Brauch ich vielleicht bald wieder, für den Kindertisch diesmal. |
Ich schreibe Newsletter für Coaches, Berater und Dienstleister. Damit aus stillen Kontakten Kunden werden. Ohne Dauerposten auf Social Media und ohne Verkaufsgebrüll.
Bubi steht heut Früh am Klo, Tür sperrangelweit offen (Privatsphäre ist bei uns eher ein theoretisches Konzept), und ruft quer durchs Haus: „Mama! Ich hab mein Lied fertig gesungen, bevor ich fertig war!" Ich weiß bis heute nicht, was das heißen soll. Aber irgendwas an dem Satz lässt mich nicht los. Weil genau so fühlt sich für die meisten Selbstständigen ihr Newsletter an. Das Lied ist längst geschrieben, im Kopf, in Bruchstücken, zwischen zwei Kundenterminen. Nur singt's nie wer fertig. In...
Letzten Dienstag, kurz vor neun. Bubi steht plötzlich im Türrahmen, Schlafanzug mit den Traktoren drauf, die kurzen Haare vom Kopfkissen ganz platt auf der einen Seite, und schaut mich an, wie ich wie wild am Laptop tippe, als würd ich grad ein Attentat planen. „Mama. Was machst du da die ganze Zeit." „Ein Geheimnis", sag ich. Er überlegt kurz, ganz ernst. „Ein gutes oder ein schlechtes." „Ein gutes." „Für mich?" „Nein, für andere Selbstständige, die einen Newsletter haben." Stille. Dann,...
Freitagnachmittag, ein winziges Kaffeehaus in Innsbruck, vier Frauen und ich quetschen uns um einen viel zu kleinen Tisch. Meine alte Klasse aus der Höheren Schule. Dreißig Jahre her, gefühlt eine halbe Ewigkeit. Fünf Minuten Small Talk, dann ist die Höflichkeit erledigt. Veronika macht unseren alten Mathe-Professor nach, Toupet und alles, ich lach so fest, dass mir fast der Kaffee aus der Nase kommt. Babsi erinnert sich an meine Dauerwelle mit siebzehn (bitte, wir reden hier von einer...