Eineinhalb Jahre Turmbau. Dann hab ich gesägt. Jetzt sitz ich am Kindertisch.


Vor eineinhalb Jahren, Reader. Flohmarkt in der Früh, kalt, Kaffee aus dem Pappbecher.

Ich seh sie und weiß sofort: die muss mit. Eine alte Kommode, wunderschönes Holz, Griffe aus Messing.
Zuhause dann der erste Dämpfer. Viel zu hoch für einen Schreibtisch.

Kein Problem, dachte ich mir. Bin ja die Erfinderin schlechthin.

Bürosessel ganz nach oben gedreht. Immer noch zu hoch.
Also die Wickelunterlage von meinem Sohn drunter geklemmt.
Ein Stück höher jetzt, endlich. Nur meine Füße baumelten frei in der Luft.
Für die Füße dann noch ein kleiner Holzhocker.

So sah mein Büro aus. Eineinhalb Jahre lang. Sessel, Wickelunterlage, Hocker.
Und obendrauf ich, tippend, tapfer, ein bisschen wie ein Storch im viel zu hohen Nest.

Gestern ist alles zusammengekommen. Erst die Technik.
Ich arbeite gerade an was Neuem (mehr dazu bald, versprochen, aber jetzt noch nicht).

Chat GPT hat mitten im Satz gesponnen und ich hab ihn angeschrien.
Mitten am Vormittag.
Als hätt er mir die letzte Praline stibitzt. Der Bot kann rein gar nix dafür. Aber die Wut musste irgendwo hin, oder?

Dann bin ich zu meinem Turm-Schreibtisch gestapft. Rotes Gesicht, Geduldsfaden dünn wie Spinnenseide. Sessel hoch, Wickelunterlage drunter, Füße auf den Hocker. Genau wie immer, seit eineinhalb Jahren.

Diesmal reichts, dachte ich mir. Säge geholt. Zack, zack. Tischbeine gekürzt.

Ein bisschen zu großzügig gesägt, im Nachhinein betrachtet. Jetzt steht da ein Schreibtisch, so winzig, meine Knie stoßen von unten gegen die Platte. Der Laptop schaut aus wie ein Riesending auf einem Puppenmöbel.

Bubi hat mich beobachtet, Kopf schief gelegt. "Mama, jetzt sitzt du an meinem Tisch."
Recht hat er. Eineinhalb Jahre auf einem Turm gethront. Jetzt sitz ich am Kindertisch und schreibe Texte für meine Kunden.

Manchmal löst man ein Problem und baut sich gleich das nächste.
Mit der eigenen Säge.
Aus lauter Übermut.

Birgit

P.S. Der Holzhocker steht noch unter dem Tisch. Als Denkmal für meine Nerven von gestern. Brauch ich vielleicht bald wieder, für den Kindertisch diesmal.

Birgit Peer

Ich schreibe Newsletter für Coaches, Berater und Dienstleister. Damit aus stillen Kontakten Kunden werden. Ohne Dauerposten auf Social Media und ohne Verkaufsgebrüll.

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