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Dienstagnachmittag hat mir mein Sechsjähriger mitten am Waldweg erklärt, dass wir jetzt einfach nicht mehr weitergehen, Reader. „Meine Schuhe sind kaputt." Ich schau mir die Schuhe an. Fest zugebunden, keine Naht offen, an den richtigen Füßen. „Was ist kaputt dran?" „Sie sind zu leise. Ich hör mich selbst nicht mehr gehen." (Solche Sätze sammle ich mittlerweile wie andere Leute Briefmarken. Im Storyletter Club werden aus genau solchen Momenten dann ganze Newsletter-Ausgaben.) Wir einigen uns auf lauteres Stampfen statt neue Schuhe, und weiter geht's, mit ordentlich Getrampel durchs Unterholz. Ein paar Minuten später bleibt er wieder stehen, diesmal mit einem Stock in der Hand, der eigentlich ein Schwert ist, und einer Mission, die nur er kennt. „Mama. Wenn ich den Stock werf, und er bleibt stecken, dann ist das ein Zeichen." „Ein Zeichen wofür?" „Das sag ich dir erst, wenn er steckt." Er wirft. Der Stock fliegt drei Meter, prallt gegen einen Baum, landet im Farn. Bleibt liegen. Todernste Miene. Zweiter Versuch. Wieder das gleiche Bild. Beim dritten Wurf bleibt er stecken, kerzengerade, mitten im Moos, und Bubi starrt ihn an, als hätte er grad die Zukunft gelesen, dreht sich um und marschiert weiter den Weg hoch, zur Baumkuppe, wortlos. Oben angekommen, erklärt er mir endlich: „Das Zeichen hat gesagt, wir dürfen bis ganz nach oben gehen. Sonst hätten wir umdrehen müssen." Ich frag ihn, was passiert wäre, wenn der Stock nicht gesteckt hätte. „Dann hätten wir's einfach nochmal probiert." Und da steh ich, mitten im Wald, mit einem Sechsjährigen, der mir grad in zwei Szenen die halbe Psychologie hinter einem guten Newsletter erklärt hat. Zwei Momente, die für sich allein kaum der Rede wert sind. Zusammen ergeben sie plötzlich eine Geschichte, die man sich merkt. So bauen wir das im Storyletter Club. Eine einzelne Szene aus deinem Alltag ist oft zu mager für eine ganze Mail. Zwei davon, richtig aneinandergereiht, ergeben eine Ausgabe, bei der deine Leserinnen bis zum Schluss dranbleiben. Schau dir diese Woche zwei kleine Momente an, die am selben Tag passiert sind, egal wie banal. Birgit P.S. Ich hab mich später getraut zu fragen, was passiert wäre, wenn der Stock beim ersten Wurf schon gesteckt wäre. Antwort: „Dann hätten wir gar nicht so lang Zeit gehabt." |
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Samstagvormittag, Reader. Garten, Sonne, und mittendrin Bubi mit einer Schnecke in der Hand und einer Miene, als würde er gleich vor Gericht plädieren. „Mama. Die darf bleiben. Die frisst nur Dienstags-Blätter." Drei Sekunden Stille... dann dieser Blick. Todernst. Als würde grad die Zukunft der ganzen Schneckenpopulation dranhängen. Ich hab sofort ja gesagt. (Über den Wahrheitsgehalt von Dienstags-Blätter-Diäten reden wir lieber ein andermal.) Der Grund für mein Ja war simpel. Ein einziges,...
Reader, vierzig Jahre lang lag der Rubik's Cube bei mir zwischen Schrottschublade und Trotzobjekt. (Ja, so ein Trotz braucht Platz.) Mein Bruder hat's über die Jahre locker fünfzig Mal probiert. Jedes Mal dasselbe Spiel: Er dreht und erklärt, dreht dann wieder. Und ich blieb spätestens nach einer Viertelstunde bei "so, jetzt reicht's" hängen, der Würfel flog nicht unbedingt elegant in die Ecke. Jetzt der Urlaub. Mein Bruder war mit dabei, genauso wie Bubi und seine zwei Halbschwestern. Und...
Sechs Stunden Autobahn. Achtunddreißig Grad im Schatten, und Schatten gab's an dem Tag höchstens auf der Landkarte, wenn überhaupt. Drei Kinder am Rücksitz. Falls sich das grad nach Urlaubsidylle anhört, lass mich das kurz geradebiegen. Von hinten lief der Soundtrack im Halbstundentakt. "Ich hab Hunger." "Wann sind wir da." "Mir ist langweilig." "WANN. SIND. WIR. DAAA." Dazwischen Zoff um den Fensterplatz und um den Rubiks Cube, der offenbar über Leben und Tod entschied. Details spar ich mir,...